Die sieben Todsünden / Der Kaiser von Atlantis

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Die sieben Todsünden
Der Kaiser von Atlantis

Ballet chanté von Kurt Weill
Libretto von Bertolt Brecht
Spiel in einem Akt von Viktor Ullmann
Libretto von Peter Kien
Nach den Quellen herausgegeben von Henning Brauel
Produktion Stadttheater Fürth in Kooperation mit Bayerischer Rundfunk - Studio Franken
Musikalische Leitung: Judith Kubitz
Inszenierung: Felix Eckerle
Szenografie, Kostüme, Bewegtbilder, Licht: Johannes Conen
mit Barbara Emilia Schedel, Katharina Wiedenhofer, Dirk Mestmacher, Simon Wallfisch, Holger Falk, Ulf Bunde, Manfred Bittner, Julia Rutigliano
Ensemble Kontraste
Die sieben Todsünden
"Meine Schwester ist schön, ich bin praktisch. Sie ist etwas verrückt, ich bin bei Verstand. Wir sind eigentlich nicht zwei Personen, sondern nur eine einzige. Wir heißen beide Anna. Wir haben eine Vergangenheit und eine Zukunft, ein Herz und ein Sparkassenbuch."
Anna I "Die sieben Todsünden"

Die aus Louisiana stammende Anna zieht in die großen Städte Amerikas, um als Tänzerin Geld für ihre Familie zu verdienen. Diese will ein kleines Haus am Mississippi bauen. Schnell gerät Anna in Gewissenskonflikte, denn um ihr Ziel zu erreichen, muss sie konsequent gegen jene Lebensregeln verstoßen, die Jahrhunderte lang von der Kirche propagiert wurden. So spaltet sie sich auf in Anna I, die das Geschehen kommentiert, und in Anna II, die äußerst erfolgreich und sündhaft zugleich durchs Leben geht. Die Handlung endet ambivalent: einerseits sorgt Anna dafür, dass ihre Familie das Haus fertig stellen kann, andererseits muss sie dafür auf individuelles Glück und persönliche bzw. künstlerische Entfaltung verzichten.

"Die sieben Todsünden" sind gleichzeitig das erste Exilwerk Kurt Weills (1900 - 1950) und das letzte Werk der Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht (1898 - 1956). Nachdem Weill im März 1933 vor den Nationalsozialisten nach Paris geflohen war, besuchte ihn Brecht wenige Wochen später. Brecht übertrug in seinem Libretto den Sündenkatalog Papst Gregors I. auf die Gesellschaft der 1920er und 1930er Jahre. Er arbeitet heraus, dass die als Verfehlungen angesehenen Verhaltensweisen des 6. Jahrhunderts für seine Zeitgenossen sozial adäquat geworden sind. Exemplarisch dafür steht die Geschichte des Mädchens Anna. Weill komponierte eine ebenso starke wie ironische, opulent-vielschichtige Musik.

Der Kaiser von Atlantis
Tod und Harlekin sind durch die schon seit fünfzehn Jahren andauernde Diktatur des Kaisers Overall in Lethargie und Frustration verfallen. Harlekin erinnert sich an bessere Zeiten; der Tod ergeht sich in nostalgischer Verklärung vergangener Kriege. Der Trommler, Werkzeug des Kaisers, proklamiert dessen Entscheidung, den Krieg aller gegen alle zu verhängen. Der Kaiser setzt dabei die Mitwirkung des Todes voraus. Der Tod fühlt sich gegen seinen Willen vereinnahmt und tritt in den Streik. Über den Lautsprecher erfährt der Kaiser, dass die Menschen nicht mehr sterben können. Im Moment des Zusammenbruchs seiner Herrschaftsordnung begegnet der Kaiser dem Tod. Dieser schlägt dem Kaiser einen Handel vor: Er ist bereit, zu den Menschen zurück zu kehren, wenn der Kaiser einwilligt, als Erster zu sterben.

Für den jüdischen Komponisten und Arnold-Schönberg-Schüler Viktor Ullmann (1898 - 1944) war das sagenhafte Atlantis mehr als nur eine Legende. In seiner Oper "Der Kaiser von Atlantis", die er 1943 im KZ Theresienstadt schuf, wird Atlantis zur Metapher. Der Kaiser von Atlantis ist ein grausamer Herrscher, der seine Untertanen in den Krieg treibt, bis der Tod ihm die Gefolgschaft verweigert. Die geplante Uraufführung im Lager kam nie zustande. Im Herbst 1944 wurden Viktor Ullmann und ein großer Teil des Theresienstädter Ensembles nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Beide Opern-Einakter verbindet die zeitpolitische Komponente sowie der sozialkritisch-subversive Impetus gleichermaßen wie die Auseinandersetzung mit ganz grundsätzlichen zeitlosen, ethischen und religiösen Fragestellungen: Letztlich geht es in beiden Opern parabelhaft um die Sinnhaftigkeit der menschlichen Existenz an sich, um das Verhältnis von Individuen zur Mehrheit, um Strukturen und Mechanismen, die das Leben bestimmen, und um Leben und Tod.
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Tatort Theater
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