Die Handlungen

Barbara Schedel, Katharina Wiedenhofer (v.l.)

Die Handlungen

Die sieben Todsünden

Das Mädchen Anna stammt aus Louisiana. Ihrer Familie soll es gut gehen. Um den Traum vom eigenen Haus am Mississippi zu verwirklichen, will sie als Tänzerin Geld verdienen. Zu diesem Zweck zieht sie in sieben Stationen durch die großen Städte der USA (Washington, Memphis, Los Angeles, Philadelphia, Boston, Baltimore und San Francisco). Anna ist schizophren. Sie bildet sich ein, in einer Person doppelt zu leben. Die Attribute einer Person sind auf zwei Darsteller verteilt. Die Aufspaltung in die singende Anna I, die das Geschehen kommentiert, und die tanzende Anna II, die sich durchs Leben schlägt, funktioniert äußerst erfolgreich. Obwohl die doppelzüngige Anna sich selbst davor warnt, die Sünden der Kleinbürger zu begehen, lassen sich Schande und Sünde weder auseinanderhalten, noch vermeiden.

 

Sieben Jahre zieht die Doppelexistenz Anna durch das Land. Sie muss Stück Die Handlung für Stück alle ihre Ideale und Träume aufgeben. Die Tänzerin Anna entwickelt sich zu einer Filmkünstlerin, die alle Männer, denen sie begegnet, verschmäht, betrügt oder zum Selbstmord treibt. In jeder Station erfährt sie in beißender Satire auf die Todsünden der mittelalterlichen Theologie eine neue "Todsünde" (1. Szene: Faulheit; 2. Szene: Stolz; 3. Szene: Zorn; 4. Szene: Völlerei; 5. Szene: Unzucht; 6. Szene: Habsucht; 7. Szene: Neid). Die Verfehlungen der im Grunde großzügigen Natur der Tänzerin Anna erweisen sich vom Prinzip her als nicht einmal schwerwiegend, sie unterliegt aber der praktisch und logisch-berechnenden Art der Sängerin Anna. Nach bitteren Erfahrungen in der Begegnung mit den "Todsünden", hat Anna genug Geld für das Haus zusammen. Sie kehrt in das stille und "spießige" Leben im Kreis der Familie in Louisiana zurück.

Der Kaiser von Atlantis

Der Lautsprecher verkündet, dass man nun "Der Kaiser von Atlantis" , eine Art Oper hören werde. Harlekin und Tod befinden sich im Abseits, weil die Menschen verlernt haben, zu lachen und in Würde zu sterben. Beide haben ihr Zeitgefühl verloren und trauern einer besseren Vergangenheit nach. Da erscheint der Trommler und verkündet im Namen seiner Majestät einen "heiligen, segensreichen Krieg" aller gegen alle zur Befreiung vom "Unkraut des Hasses". Öffentlich wird proklamiert, dass der Tod als Verbündeter des Kaisers wieder sein glorreiches Banner vorantragen werde. Der Tod fühlt sich verhöhnt und verweigert die Mitarbeit. Schließlich kann nur er den Menschen die Seelen nehmen.

 

Der Kaiser ist ohnmächtig. Er muss erfahren, dass zum Tod Verurteilte noch Stunden nach der Hinrichtung nicht gestorben sind. Der Lautsprecher meldet den Ausbruch einer rätselhaften Krankheit. Die Soldaten erschießen sich Die Handlung auf den Schlachtfeldern, aber leben weiter. Kein Verwundeter wird von seinen Leiden erlöst.

 

Auf dem Schlachtfeld geraten die Soldaten aneinander, ohne dass einer den anderen töten kann. Ein einfacher Soldat entdeckt im Gesicht seines Feindes weibliche Züge. Das Mädchen fordert den jungen Mann auf, ein Ende zu machen, doch er küsst sie. Beide träumen von einer Zeit ohne Krieg und erinnern sich an die vergessenen Freuden der Liebe. Chaos bricht aus. Die Menschen ringen mit dem Leben, um sterben zu können und der Kaiser ist dem Wahnsinn nahe. In dieser Situation verspricht der Tod Erlösung. Er sieht sich als Zuflucht vor dem gehetzten Leben und fordert den Kaiser auf, ihm zu folgen. Wenn der Kaiser bereit ist, als Erster zu sterben, will der Tod zu den Menschen zurückkehren. Der Kaiser willigt ein. In der Hoffnung auf spätere Wiederkehr lässt er sich vom Tod aus der Welt geleiten.