Pressespiegel
Pressestimmen zu "Des "Die sieben Todsünden / Der Kaiser von Atlantis"
Weill hat eine doppelbödige Musik mit Elementen von Bach und Jazz dafür geschrieben. Die ist beim "Ensemble Kontraste" unter Judith Kubitz in allerbesten Händen. Felix Eckerle hat in der raffinierten "Szenografie" von Johannes Conen eine verblüffend stimmige Bühnenlösung gefunden: In verschiedenen Bildstationen des Hintergrunds wechseln die Personen der Vorderbühne bruchlos per Videoprojektion, es entsteht eine kühl kommentierende Atmosphäre, die genau den Intentionen Bertolt Brechts entspricht. Eckerle hat das Stück von allen Aufführungstraditionen im Lotte-Lenya-Stil befreit, die Annas von Barbara Emilia Schedel und Katharina Wiedenhofer passen stimmig in diese berichtende, belehrende Parabel hinein. Eckerle und Conen lassen das Stück in einem schlammig grauen, zeitlosen Untergrund von Rohren, Fässern, Betonbruchstücken spielen. Asche und Schlamm überziehen diese trostlose Welt sowie alle handelnden Personen - bis auf eine in blutigen Binden verschnürte Tänzerin, die in den Orchesterzwischenspielen auftaucht. Als am Ende durch das freiwillige Opfer des Kaisers der Tod seine Arbeit wieder aufnimmt und beide wie in einer Apotheose weit nach hinten schreiten, schließt sich diese allegorische Figur, von allen Fesseln befreit, an. Eckerle lässt den Einakter wie ein Mysterienspiel, einen Totentanz spielen. Die stärksten Momente entstehen in dem großen Monolog des Kaisers, der ruhig und gefasst vorüberzieht (Kaiser Overall: Holger Falk), der nicht unnötig bebildert oder mit Aktion zugeschüttet wird. Aus dieser szenischen Gelassenheit, von dieser Konzentration auf Wort und Musik lebt die beeindruckende Aufführung, für die sich das gesamte Sängerensemble und das "Ensemble Kontraste" auch mit ausgezeichneten solistischen Leistungen einsetzen.
Uwe Mitsching | Fürther Nachrichten |16. Februar 2009

