Pressespiegel

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Pressestimmen zu "Des "Die sieben Todsünden / Der Kaiser von Atlantis"

Weill hat eine doppelbödige Musik mit Elementen von Bach und Jazz dafür geschrieben. Die ist beim "Ensemble Kontraste" unter Judith Kubitz in allerbesten Händen. Felix Eckerle hat in der raffinierten "Szenografie" von Johannes Conen eine verblüffend stimmige Bühnenlösung gefunden: In verschiedenen Bildstationen des Hintergrunds wechseln die Personen der Vorderbühne bruchlos per Videoprojektion, es entsteht eine kühl kommentierende Atmosphäre, die genau den Intentionen Bertolt Brechts entspricht. Eckerle hat das Stück von allen Aufführungstraditionen im Lotte-Lenya-Stil befreit, die Annas von Barbara Emilia Schedel und Katharina Wiedenhofer passen stimmig in diese berichtende, belehrende Parabel hinein.   Eckerle und Conen lassen das Stück in einem schlammig grauen, zeitlosen Untergrund von Rohren, Fässern, Betonbruchstücken spielen. Asche und Schlamm überziehen diese trostlose Welt sowie alle handelnden Personen - bis auf eine in blutigen Binden verschnürte Tänzerin, die in den Orchesterzwischenspielen auftaucht. Als am Ende durch das freiwillige Opfer des Kaisers der Tod seine Arbeit wieder aufnimmt und beide wie in einer Apotheose weit nach hinten schreiten, schließt sich diese allegorische Figur, von allen Fesseln befreit, an. Eckerle lässt den Einakter wie ein Mysterienspiel, einen Totentanz spielen. Die stärksten Momente entstehen in dem großen Monolog des Kaisers, der ruhig und gefasst vorüberzieht (Kaiser Overall: Holger Falk), der nicht unnötig bebildert oder mit Aktion zugeschüttet wird. Aus dieser szenischen Gelassenheit, von dieser Konzentration auf Wort und Musik lebt die beeindruckende Aufführung, für die sich das gesamte Sängerensemble und das "Ensemble Kontraste" auch mit ausgezeichneten solistischen Leistungen einsetzen.  
Uwe Mitsching | Fürther Nachrichten |16. Februar 2009

Das schlicht, aber klug gebaute Gleichnis schwebt wie auf Zitat-Wolken, denn Ullmann greift mit beachtlicher Handwerkskunst ins volle Musikleben. Das zündet in Felix Eckerles Inszenierung, die sich auf der zuvor mit den "Todsünden" ausgelegten ästhetischen Spur bewegt.  
Dieter Stoll | Abendzeitung | 16. Februar 2009

In Fürth arbeitet Regisseur Felix Eckerle sehr konzentriert die einzelnen Situationen heraus, kalkweiß geschminkt sind alle Akteure, schmutzig-dunkel ist die Bühne. Durch verschiebbare Wandteile und große Röhren entstehen immer neue Spielorte. Überzeugend agieren und singen vor allem Holger Falk (Kaiser) sowie Manfred Bittner (Tod). Ullmanns Partitur besitzt spätromantische, oft recht wilde Passagen, dazu mischen sich abrupt abgebrochene Klänge im Stile Alban Bergs und lange Sprechteile. Ganz am Ende öffnet sich ein wundersamer Klangraum, als der Herrscher in einer minutenlangen Arie Abschied vom (irdischen) Leben nimmt. Für den ersten Teil des Abends, "Die sieben Todsünden", entwickelte der Videokünstler Johannes Conen ein sehr beachtliches Surrounding für die Reisestationen der beiden Frauen. Conen, der diverse Male für Karlheinz Stockhausen gearbeitet hat, schuf eine semi-interaktive Videoinstallation. Man sieht die jeweiligen Handlungsorte zum Teil photorealistisch, darin (virtuell) und davor (real) spielen (Ver)sucher und Versuchte. Der Effekt ist ebenso frappierend wie amüsant. Barbara Emilia Schedel sang das todsündenbehaftete Mädchen mit schlankem Sopran, Katharina Wiedenhofer tanzte dazu in eigener Choreographie sehr ästhetisch, wenngleich etwas bodenständig. Sehr erfreulich auch das Dirigat von Judith Kubitz, die dem Ensemble Kontraste ein großes Spektrum an Klangfarben entlockte  

Jörn Florian Fuchs | DrehPunktKultur | 16. Februar 2009

Eckerle arbeitet sich mit ganz gegensätzlichen künstlerischen Mitteln ins Herz der Stücke vor, in deren finaler Schlussfolgerung Kategorien von Gut und Böse keine Rolle mehr spielen. Es beginnt mit multimedialer Raffinesse bei den sieben Todsünden und endet in beklemmenden Standbildern im untergehenden Fantasiestaat Atlantis, bei dem der Tod (Manfred Bittner) sich angesichts der Terrorherrschaft des Kaisers Overall (Holger Falk) verweigert.   Eine radikale und konsequent bebilderte Sichtweise auf grundsätzlich Menschliches und historisch Deutbares. Unbedingt sehenswert.  
Karin Lederer | Nürnberger Zeitung | 16. Februar 2009
Das Ergebnis spricht für ihn - und für seinen Ausstatter Johannes Conen, der die zwei Einakter in einer spannungsvollen Ästhetik überzeugend umgesetzt hat.   Die Ausstattung ist wesentlich für die Umsetzung dieses Musiktheaterstücks, das zumeist als Ballett aufgeführt wird. Dem für Brecht und Weill typischen Moritatencharakter entspricht die Inszenierung also mit ganz zeitgemäßen Mitteln - und mit den vier kommentierenden Sängern, die hier wie in Standbildern zusätzlich ein grelles Licht auf die doppelbödige und bissige Abhandlung werfen. Die Aufspaltung der Hauptfigur in eine Sängerin und eine Tänzerin glückt auch deshalb, weil das Stadttheater dafür zwei vorzügliche Protagonistinnen gewinnen konnte: die Sopranistin Barbara Emilia Schedel, die mit stimmlicher Leichtigkeit und großer Ausdurckspalette viele Weill'sche Diseusen auf die Plätze verweist, sowie die Tänzerin und Choreografin Katharina Wiedenhofer, deren körperliche Bildfindungen mit Nachdruck nicht nur unterstreichen, wie nahe Tugenden und Todsünden beieinanderliegen.  
Monika Beer | Fränkischer Tag | 16. Februar 2009